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Rezension | Der Bär und die Nachtigall

Ein Roman, der es versteht, Zauber und Mystik mit dem Russland des 14.Jahrhunderts zu verweben.

Wir folgen der Autorin in das alte Russland, wo die Menschen noch an ihren alten Bräuchen und Traditionen festhalten.

Wasja ist die junge Tochter eines Landadeligen, welche hoch im Norden, wo der Winter bitterkalt ist, zusammen mit ihren Geschwistern aufwächst. Während der eisigen Wintermonate erzählt das Kindermädchen Dunja Geschichten über Zauber, Folklore und uralte Magie. Sie erzählt von Morozowa, dem Winterkönig auf seiner weißen Stute, und seinem in Dunkelheit schlafenden Bruder.

Doch Wasja weiß, dass es nicht einfach nur Märchen sind. Sie kann die Geister sehen, die Hausgeister und Waldgeister und sie ist die Einzige, die Ihre Familie vor der drohenden Gefahr, die sich im Dunkeln erhebt, beschützen kann.

Katherine Arden schafft es den Leser in eine andere Welt und Zeit zu entführen. Bei ihr verschmelzen die Mythen und Legenden des alten Russlands mit der harten Realität der damaligen Zeit. Sie führt uns langsam und behutsam an die gegebenen Umstände und Personen heran. Wir sehen, wie die Protagonistin Wasja aufwächst, erleben ihre kindliche Neugier, ihre Wildheit und die damit einhergehenden Emanzipation, in einer Zeit, in der die Frau eine untergeordnete Rolle zu spielen hatte.

Wir lernen Schritt für Schritt die Gebräuche und Traditionen kennen, aber auch die Pflichten, die damit einhergehen. Wir begleiten Wasja, die sich unter den abschätzenden Blicken ihrer Familie, mit den Hausgeistern anfreundet.

Das alles ändert sich jedoch als Wasjas Vater eine neue Frau nach Hause bringt. Sowohl Wasjas Stiefmutter als auch der aus Moskau gesandte, charismatische Priester sähen mit ihrer Gottesfurcht nach und nach Angst und Zweifel an den heidnischen Bräuchen der Dorfbewohner.  Die solange Schutz bietenden Hausgeister beginnen daraufhin zu verkümmern und zu schwinden.  Nur Wasja ist in der Lage sie und Ihre Familie zu schützen und sich dem Bären, dem Bruder des Winterkönigs, zu stellen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Die Autorin verwebt geschickt Mystik und Folklore mit dem Russland des 14. Jahrhunderts. Die Magie drängt sich nie in den Vordergrund, sie umgibt diese Welt und ihre Bewohner so gekonnt, dass man sie fast als den realen Zeitgeist wahrnehmen könnte.

Auch die Charaktere werden glaubhaft und authentisch dargestellt, sodass diese fast lebendig wirken. Wir bekommen einen guten Einblick in die Familienhierarchie des russischen Landadels, in Ihre Gepflogenheiten und Traditionen.

Besonders gut ist mir die Protagonistin in Erinnerung geblieben, mit ihrer Wildheit und kindlichen Neugier hat sie mich von Beginn an begeistert. Ihr beim Aufwachsen zuzusehen und wie sie, trotz des Erwachsenwerdens, ihre rebellische Art, die sie von ihrer Familie abgegrenzt hat, nie verliert, war eine spannende Erfahrung.

Sowohl die inneren Konflikte, zwischen Emanzipation und der Verbundenheit gegenüber der Familie, als auch die äußeren, zwischen alten heidnischen Traditionen und der Christianisierung Russlands verknüpft die Autorin gekonnt mit der stets gegenwärtigen mystischen Stimmung.

Dieses Buch ist eine absolute Leseempfehlung von mir.

Für alle die Lust auf eine andere Kulisse haben, auf eine andere Zeit und eine andere Form von Magie. Dieses Buch ist perfekt für kalte Wintermonate, mit einer Tasse Tee oder Kakao, um in Wasjas Welt einzutauchen.

 

Eine Rezension von Rebecca Wilke

Heyne

432 Seiten, Paperback

ISBN: 978-3-453-32003-1

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