• „Wir kommen“ – Ronja von Rönne

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„Natürlich ist es unsere neurotische Hyperreflexion, das ständige Hinterfragen der eigenen Rolle, die manische Beschäftigung mit uns selbst, die Zeit, die sich öde und unendlich vor uns ausbreitet … “

Maja, die Freundin von Nora ist Tod.

Nora ist in einer unkonventionellen Beziehung mit drei anderen Mittzwanzigern, Jonas, Karl und Leonie. Leonie ihrerseits hat noch eine Tochter, Emma-Lou. Gequält wird Nora von Panikattacken. Ihr Therapeut fährt aber mal kurz in den Urlaub. In der Beziehung zu viert beginnt es langsam leicht zu bröckeln, also planen alle vier einen Urlaub mit Party in einem Strandhaus. Im Gepäck noch eine Schildkröte und die schweigende Emma-Lou.

Wer Ronja von Rönne kennt, aus dem Feuilleton oder von ihrem SUDELHEFT-Blog, von der einen oder anderen Kontroverse um geschriebene Texte, dem kann man diesen Roman absolut empfehlen! Der Schreibstil ist ähnlich wie im Blog, die Handlung und Figuren sind witzig, sarkastisch, zynisch und manchmal einfach nur schräg.

Nora scheint hier das Alter Ego von Ronja von Rönne zu sein. Ein eigenwilliger und humorvoller Blick auf die Generation 20+, mit ihren Fehlern und Bedürfnissen. Aber was den Text mehr als empfehlenswert macht ist, dass dem Leser auch ein weiterer Zugang ermöglicht wird, obwohl er nie etwas von Frau von Rönne gehört hat. Umso mehr gilt das für Leute, die mit ihr so gar nichts anfangen können.

„Wir brauchen eine Erinnerung daran, wie gut wir es haben, denn mittlerweile haben wir es alle vergessen, und die Sonne und der Pool reicht nicht, um uns daran zu erinnern.“

Immer wieder kommt für mich in dem Roman ein prägendes Gefühl zum Vorschein, ein Gefühl, die Teile der Generation 20+ selber nicht genau benennen können. Nicht mehr nur oberflächlich kritisch, sondern ganz dezent feinfühlig entwickelt Ronja von Rönne in diesem Roman eine Gefühlswelt, der Ausdruck verliehen werden will. Man weiß nicht genau, woher kommt das Gefühl? Was macht es aus? Irgendwie fällt es schwer Entscheidungen zu treffen, seinen Platz zu finden. Es fällt halt schwer zu wissen, was man will, wenn man nicht weiß, WER man denn eigentlich ist. Es ist einfacher die Entscheidungen abzugeben darüber, was man will. Überhaupt: Wie soll das Ganze gehen, gute Entscheidungen treffen?

Im Roman immer wieder aufgegriffen im Motiv der Person Maja. Vor diesem Hintergrund ist es auch entscheidend, wie die Grundstruktur des Romans ist. Nora schreibt nämlich ein Tagebuch für ihren Therapeuten, um ihrer Panik auf den Grund zu gehen. Auf dem Buchcover das symbolische Streichholz, das das Tagebuch in Flammen setzt („It’s a match …“).

Vor diesem Hintergrund funktioniert dieser Roman aus meiner Sicht auch für Leser gut, die keine Fans von Ronja von Rönne sind. Losgelöst vom Blog oder Feuilleton, legt der Roman den Finger in die wunde Stelle der heutigen Generation. In der Rhetorik des Textes wird das eingesperrt sein als Gefühl deutlich, wird das Kritikfeuerwerk zu einem Gefangensein in den Begriffen, die so sinnentleert zu sein scheinen. Und dieser Text darf das, es ist nun einmal kein Blog, es ist Noras Tagebuch.

Ich finde abseits jeglicher Kontroverse, dass Ronja von Rönne hier einen Roman vorgelegt hat, der nicht den Anspruch erhebt, die gesamte Generation zu vertreten. Wohl aber gibt das Buch einen Einblick in einen Teil der Gefühlswelt der Mittzwanziger. Wer sich damit nicht identifizieren kann, okay, dann ist das so. Aber für mich ist es ein ehrlicher Text, bei dem ich mich oft ertappt gefühlt habe, grade was die sinnentleerte Rhetorik betrifft. Der durch seine Offenheit eine große Angriffsflächen bietende Roman benutzt die Ironie als Selbstschutz, genau wie Nora als Protagonistin.

Und grade das ist es, was den Roman für mich zu einem übergreifenden Leseerlebnis macht, sei man nun Fan von Frau Rönne oder nicht.

Eine Empfehlung von Mike Wagner.

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