• „Vom Ende der Einsamkeit“ – Benedict Wells

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„Fast genial“ war 2011 der erste Roman, den ich von dem mir damals unbekannten Autoren Benedict Wells gelesen hatte. Dieses
etwas schräge Roadmovie hat mir damals so gut gefallen, dass in windeseile auch seine anderen Romane nachgeholt werden mussten.
In Erinnerung blieb dabei insbesondere „Becks letzter Sommer“; eine Geschiche um den titelgebenden Musiklehrer Beck, der (mitten
in seiner Midlife-Crisis) einen längst ant acta gelegten Traum wieder aufleben lässt (verfilmt wurde das Ganze 2015 mit
Christian Ulmen in der Hauptrolle).
Entsprechend groß war also auch meine Vorfreude, als ein neuer Roman von Wells angekündigt wurde.

„Vom Ende der Einsamkeit“ heißt das Kind und zeigt Benedict Wells von einer ganz anderen Seite.
Statt Protagonisten an Wendepunkten in ihrem Leben zu zeigen, begleiten wir unseren Helden, Jules, durch mehrere Dekaden.
Und auch das gelingt dem Autor bravourös.
Aber halt, der Reihe nach. Worum geht es also in „Vom Ende der Einsamkeit“?!

Die drei Geschwister Jules, Liz und Marty werden jäh aus ihrer glücklichen Kindheit gerissen, als ihre Eltern bei einem Autounfall
ums Leben kommen. Die Kinder werden auf ein Internat geschickt, bei dem sie sich sowohl an den rauhen Umgang als auch an den
Verlust ihrer Eltern gewöhnen müssen. Allen Dreien fällt dies natürlich unendlich Schwer und jeder hat seine ganz eigene Art, mit der
Trauer umzugehen: der verträumte Jules stürzt sich in Bücher, Liz hat mit sich selbst und nach und nach auch mit Drogenproblemen zu kämpfen und der große Bruder Marty schließt sich in seinem Zimmer ein und macht sich mit seinen verschrobenen Kumpels an’s Programmieren.
Kurzum, durch die unterschiedlichen Interessen sowie die räumliche Trennung am Internat gerät auch die Beziehung der Geschwister arg ins Wanken.

Halt gibt Jules zu dieser schwierigen Zeit nur seine (einzige) Schulfreundin Alva. Zusammen werden Bücher gelesen, Platten gehört und
so „überstehen“ die beiden die unliebsame Internatszeit. Bevor sich allerdings aus dieser tiefen Freundschaft noch mehr entwickeln kann, verlieren sich Jules und Alva aus den Augen. Erst viele Jahre später finden sich beide wieder zusammen, doch vieles hat sich seit dem verändert.

Dies sind also die zwei Erzählebenen, die Wells in „Vom Ende der Einsamkeit“ in den Fokus rückt: Wie entwickeln sich
die Geschwister und was passiert mit/zwischen Jules und Alva?
Die Figuren gewinnen mit Dauer des Buches zusehends an Tiefe und wachsen an einem ans Herz – sei es nun die exzessiv
lebende Liz oder die geheimnisvolle Alva, jede hat seine ganz eigene, glaubwürdig erzählte Geschichte.
Die Thematiken, die Wells anspricht (Trauer, Selbstfindung, Verlust.) sind zwar nicht ganz einfach, doch der schnörkellose
und gleichzeitig sehr einfühlsame Schreibstil des Autors sorgen dafür, dass das Buch durchweg kurzweilig bleibt, während gleichzeitig jeglicher überflüssiger Kitsch vermieden wird. Ganz, ganz großes Kino!

Benedict Wells hat sich von seinem bisherigen Erfolgsschema gelöst und ist an seinen neuen Aufgaben gewachsen, sodass er den Vergleich mit großen Erzählern nicht (mehr) zu scheuen braucht. Für mich persönlich, ist dies mein Lieblings-Wells und definitv einer meiner bisherigen Favoriten 2016.

Nico Bärenklau

 

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