• „Diese gottverdammten Träume“ – Richard Russo

Artikel Übersicht

Bestellen Nur 24,99 €

Zu Beginn erst mal etwas ungewöhnliches, eine kleine Kritik könnte man es nennen – bereits im Jahr 2001 erschien Richard Russos Roman „Diese gottverdammten Träume“ (engl. Empire Falls), erhielt den begehrten Pulizer -Preis und wurde von der Kritik in hohen Tönen gelobt. 15 Jahre später, im Jahr 2016 angekommen, halte ich die Übersetzung in den Händen. Was ist passiert? Ein so hervorragendes Buch und eine so späte Übersetzung? Nun ja, wollen wir die verlorenen 15 Jahre ein wenig aufholen und die positiven Kritiken erneut ertönen lassen!

 

Miles Roby ist ein gescheiterter Mann. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet er in der Kleinstadt Empire Falls als Burgerbrater im Empire Grill, einem kleinen Diner. Seine Ehe ist kaputt, die Mutter früh verstorben. Das Studium am Collage hat er frühzeitig abgebrochen, um die kranke Mutter zu pflegen. Seine Tochter steht mitten in der Pubertät und die alltäglichen Gäste im Diner machen Miles das Leben auch nicht gerade erträglicher. Dabei hatte er doch eine ganz andere Vorstellung von seinem Leben, kann aber seinen Verpflichtungen, die ihn an die Stadt binden, nicht entkommen. Aber einen Hoffnungsschimmer hegt Miles wie einen Schatz seit Jahren: Marthas Vineyard, die kleine Insel, auf der er als Kind Urlaub gemacht hat. Sie ist der Lichtblick, zu dem es irgendwann zu fliehen gilt…, diese gottverdammten Träume, die man halt so hat.

 

Frei heraus muss ich gestehen: Dieser Roman hat mich überzeugt! Mehr als 700 Seiten mögen den ein oder anderen Leser abschrecken, aber das Buch muss sich die Zeit einfach nehmen. Ganz gemächlich beginnt die Geschichte auf den ersten Seiten, die Charaktere fremd und die Umgebung trostlos, eine marode Kleinstadt im Norden der USA. Aber Seite um Seite, Kapitel für Kapitel, verdichtet sich die Geschichte, werden die Protagonisten vielschichtiger und der Leser kann immer mehr Handlungen nachvollziehen. Rückblicke in Miles Kindheit lassen zudem die Vergangenheit der Stadt klar werden. Angefangen mit eben diesem Miles, einem ruhigen und bescheidenen Mann, den man sofort in sein Herz schließt, sind auch die anderen Protagonisten im Buch ausgefeilt und vollkommen authentisch. Immer wieder wird das eigentümliche Leben in Empire Falls aus den Blickwinkeln der unterschiedlichsten Leute beleuchtet. So Handeln Kapitel von Miles Tochter oder seiner Exfrau, aber auch mal vom zukünftigen Polizeichef der Stadt und seinem Sohn. Man wird Teil von Empire Falls und so kontrovers, wie die Stadt bei den Einwohnern diskutiert wird, so kontrovers ist der Leser mit den Protagonisten beschäftigt. Ganz dezent arbeitet sich ein Gefühl an die Oberfläche, nämlich das im banalen Alltag so etwas wie Kummer und Verlust liegen kann; Kummer um die eigene Situation und Verlust der eigenen Zukunft.

 

Das unerwartete und plötzliche Finale des Buches macht aus der vorherigen Handlung eine runde und für meinen Teil grandios gelungene Geschichte, die man nicht so schnell vergessen wird. Ich war gefesselt, berührt, schockiert und gefasst. Habe mit den Protagonisten gefiebert, sie nicht verstanden, war sauer auf sie oder resigniert. Ein Buch aus dem Leben!

Richard Russo, ich bleibe ein Leser ihrer Bücher! Gottverdammt, ich träume halt von noch so einem Buch von Ihnen…!

 

Eine Empfehlung von Mike Wagner.

Wenn Ihnen der Artikel gefällt, teilen Sie ihn bitte :)